Im neunzehnten Jahrhundert begann die amerikanische Regierung, Gebiete für die Indianer zu reservieren. In diesen Reservaten leben heute viele Stämme. Einige Reservate waren Gebiete, in denen die Indianer gefangen gehalten wurden. Diese sollten der Umerziehung dienen sowie der sogenannten Zivilisierung. Widersetzten sich Indianer, so wurde ihnen einfach kein Essen zugeteilt. Somit waren die Indianer gezwungen, sich den Anforderungen der Regierung anzupassen. Andere Reservate gingen durch Verträge an die Indianer. Manche Reservate entwickelten sich durch Landtausch.
1871 verbot die amerikanische Regierung den Indianern das Vertragsabschließen. Ab diesem Zeitpunkt bestimmte die Regierung über die Gebiete, in denen die Indianer leben durften. Teilweise wurden sie einfach gegen ihren Willen umgesiedelt. Areale, in denen man von großen Mengen an Bodenschätzen ausging, wurden den Indianern abgenommen. Die Reservate blieben im Besitz der Regierung, sodass die Indianer nicht mehr selbstbestimmt leben konnten. Auch durften sie nur noch in diesen Gebieten leben.
Reservate heute
Heute gibt es ungefähr dreihundert Reservate in Nordamerika und Kanada. Die Gebiete sind immer noch im Besitz des Staates. Viele dieser reservierten Ländereien eignen sich nicht zum Ackerbau. So war das Leben in solchen Gebieten von Anfang an sehr schwierig. Heute ist es nicht mehr so, dass die Indianer ihr Reservat nicht verlassen dürfen. Sie können sich frei bewegen und auch an anderen Orten leben. Die Indianer, die gerne in ihrem Clan leben möchten, wohnen auch heute noch in Reservaten.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich viele Reservate aufgrund der Bodenschätze doch als sehr wertvoll herausstellten. Beispielsweise befinden sich über die Hälfte an Uranvorkommen, in den Gebieten der Indianer. Der Abbau ist sehr gesundheitsgefährdend für die Stämme. Sie haben jedoch keine Chance, sich gegen den Abbau zu wehren.
Industrie ist in den Reservaten nicht zu finden. Das liegt einmal an der Arbeitseinstellung der Indianer. Sie verstehen nicht, dass jemand regelmäßig zur Arbeit geht, nur um Besitztümer anzuhäufen. Gelegenheitsjobs reichen den meisten Indianern, damit sie ihr Überleben sichern können.
Zum anderen liegt es daran, dass die Banken Indianer als kreditunwürdig ansehen. Es wäre also einem Indianer gar nicht möglich, ein Unternehmen in den Reservaten zu gründen.
In einigen Reservaten sind Spielcasinos zu finden. Viele Stämme lehnen jedoch diese Art Einnahmequelle ab.
Die ehemalige Lebensweise der freiheitsliebenden Volksgruppen ist heute auch in Reservaten nicht mehr möglich. Die Lebensart ist eher eine sehr trostlose und armutsvolle.
Das Leben der Indianer heute
Tipis sind so gut wie keine mehr zu finden. Die Indianer leben in Baracken ähnlichen Unterkünften. Nur wenige haben ein Fertighaus. Supermärkte, Fastfoodrestaurants, Fernsehgeräte und Autos gehören heute zum Alltag der Indianer. Kinder besuchen Schulen und haben auch die Chance, später eine Universität zu besuchen. In diesen Schulen lernen sie auch ihre Stammessprache, damit zumindest dieser Teil ihrer Kultur nicht völlig verschwindet. Die Indianer haben bis heute eine Randgruppenstellung in der Gesellschaft. Viele der Stämme sind sehr arm und leben ein eher menschenunwürdiges Dasein. Unter Alkoholismus und anderen Süchten leiden etliche Indianer. Unter allen ethnischen Völkergruppen ist die Selbstmordrate bei den Indianern die höchste. Die Touristik ist für die meisten die einzige Einnahmequelle. Zeremonien werden vorgeführt und Handarbeiten verkauft. Glücklich sind die Indianer jedoch keinesfalls mit ihrer heutigen Lebensweise.
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